Barfen in der Praxis


Es ist nicht möglich einen Ernährungsplan zu verfassen, der auf jeden Hund anwendbar ist, denn jeder Hund ist verschieden und hat andere Bedürfnisse. Welpen und Junghunde stellen einen anderen Anspruch als trächtige Hündinnen oder ältere Hunde. Ausserdem, wie beim Menschen eben auch, verträgt nicht jeder Hund alles was die Rohfütterung anbieten würde. Bei gewissen Erkrankungen sollten gewisse Nahrungsmittel komplett gemieden werden.

Ein erwachsener normal gewichtiger Hund benötigt etwa pro Tag 2-2,5% seines Körpergewichtes an Rohfuttermenge. Dies sollte aufgeteilt werden in ca. 70 - 80 % Fleisch und Knochen, 10 -15 % Gemüse/Obstanteil und 5 -10 % Zusätze sowie wenig Getreide. Von den 70 -80 % Fleisch und  Knochen sollte wiederum eine Aufteilung von ca. 40 % reinem Fleisch und 60 % fleischige Knochen stattfinden.

Fleisch und Knochen ist der Hauptbestandteil einer Rohfütterung und sollte in möglichst grossen Stücken roh verabreicht werden. Man sollte Fleisch von verschiedenen Tierarten füttern, sie jedoch nicht in einer Mahlzeit mischen. Die Magensäfte des Hundes können Knochen, Knorpel und Fleisch grundsätzlich problemlos verdauen. Allerdings sollte man bei einer Umstellung auf die Rohfütterung langsam anfangen mit dem Verfüttern von Knochen.

Achtung: gegarte, gekochte und gegrillte Knochen können vom Hund nicht verdaut werden und sind gefährlich weil es zu Splitterungen kommen kann!

Innereien stehen natürlich auch auf dem Futterplan. Grüner (ungewaschener) Pansen z.B. schmeckt den Hunden sehr gut und liefert angedaute Pflanzenteile, welche für den Hund sehr gesund und wichtig sind.

Fisch ist auch eine Abwechslung auf dem Speiseplan und kann grundsätzlich komplett gefüttert werden.
Die Gemüse/Obstmischung ist der andere wichtige Bestandteil der Roh-fütterung. Dieses muss jedoch für den Hund püriert werden, da seine Verdauung Mühe hat, die Zellwände von pflanzlichen Zellen aufzuschliessen. Je kleiner püriert, desto besser ist es verwertbar. Ausserdem ist die Beimischung von verschiedenen hochwertigen Ölen ein ‚Muss’, damit die fettlöslichen Vitamine auch aufgenommen und dem Organismus zur Verfügung gestellt werden können.

Auch sollten ab und zu Milchprodukte verabreicht werden, sofern es der Hund verträgt. Frische oder getrocknete Kräuter, Nüsse, Kerne und andere abwechslungsreiche Zusätze bereichern und vervollständigen die ausgewogene Rohfütterung.

Das Füttern von Getreide ist unter Rohfutterexperten eine sehr umstrittene Sache und ich möchte hier nicht im Detail darauf eingehen. Unbestritten ist jedoch, dass die Anatomie und die Verdauungschemie des Hundes nicht auf die Verdauung von grösseren Mengen an Getreide eingerichtet sind und dieses auch sehr schlecht verwerten kann. Zudem ist heutzutage bekannt, dass Getreide und Sojaprodukte zwei der Hauptallergene beim Hund sind. Es gibt jedoch Hunde, die Getreide sehr gut vertragen und es auch gerne mögen und aber auch andere, die damit überhaupt nicht zurecht kommen. Sofern Getreide gefüttert wird, sollte das Fleisch nicht mit dem Getreide gemischt werden, da eine unterschiedliche Verdaulichkeit besteht und es eventuell zu Blähungen kommen kann. Bei Erkrankungen wie Arthrose, Nierenleiden sowie Krebs sollte generell auf Getreide verzichtet werden.

Viele Barfer lassen ihre Hunde einen Tag lang in der Woche fasten und stellen dem Hund in dieser Zeit nur frisches Wasser zur Verfügung. Die Energie, die für die Verdauung benötigt wird, kann an irgendeinem anderen Teil des Körpers verwendet werden. Proteinreiche Nahrung, die der Hund braucht, belastet Verdauungs- und Ausscheidungsorgane. Durch einen Fastentag  kann sich der Verdauungstrakt erholen. Falls man mit der Philosophie des Fastens Mühe hat oder dies seinem Hund nicht zumuten will, kann man auch an jenen Tagen anstatt dem Fasten einfach nur fleischlos füttern.

Es ist nicht nötig, dass der Hund mit jeder Mahlzeit genau die oben erwähnte Aufteilung und damit alle lebenswichtigen Nährstoffe erhält. Die Ausgewogenheit muss über einen Zeitraum von ca. 2-3 Wochen erreicht werden, denn auch in der Natur gibt es keine tägliche Ausgewogenheit.