Oelkunde

 


Pflanzenöle haben eine lange Geschichte. Aus den Aufzeichnungen des Griechen Herodot (ca. 450 v. Chr.) ist bekannt, dass in Babylon Sesamöl das Hauptspeiseöl darstellte. Die Pharaonen in Ägypten haben Oliven- und Nussöle verwendet. Und im Alten Testament findet man Informationen, dass mit Ölen Wunden geheilt wurden.Die Herstellung von Ölen entscheidet über ihre Qualität. Neben der Beschaffenheit der Ausgangsprodukte (Nüsse, Oliven, etc.) ist es wichtig, dass die Öle ohne grosse Hitzezufuhr gepresst werden, damit die empfindlichen aber wichtigen Fettsäuren erhalten bleiben.

 

Ausschliesslich kaltgepresste Öle kommen für die Verwendung in der Naturheilkunde in Frage - Raffinierte Öle sind hingegen nicht geeignet. Grundsätzlich wird bei der Kaltpressung die Ölsaat nicht mit Wärme vorbehandelt. Im optimalen Falle werden die Saaten anschliessend nur mit so geringem Druck gepresst, dass keine Temperaturen über 40° C entstehen. Um eine bestimmte Menge kaltgepresstes Öl zu erhalten, benötigt man ein Vielfaches mehr an Rohstoff als bei konventioneller Pressung (raffiniertes Öl). Bei der Kaltpressung werden lediglich die einfacher verfügbaren Fette herausgelöst.

Nach dem Pressen werden die Öle gefiltert und getrocknet, wobei 'getrocknet' bedeutet, dass dem Öl minimale Mengen an natürlich vorkommendem Wasser entzogen werden. Die Haltbarkeit kaltgepresster Öle ist kürzer als die der raffinierten Öle.

Kalt gepresste Öle sollten immer dunkel, kühl und gut verschlossen gelagert werden, da Licht und Wärme dem Öl schaden. Nur so bleiben die wertvollen Fettsäuren und der Gehalt an natürlichem Vitamin E erhalten.

Öle haben bekanntlich durch ihren hohen Anteil an Linol- und Linolensäure direkte Auswirkung auf die Haut und die Fellbeschaffenheit, weshalb sie sich auch in der Naturheilkunde bestens bewährt haben.


Distelöl 

Distelöl (Carthamus tinctorius) oder auch Safloröl genannt, besteht aus dem Samen der Saflorpflanze (Färberdistel). Distelöl weist den höchsten Gehalt an Linolsäure aller Pflanzenöle auf.

Es wurde besonders in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts häufig vorbeugend bei Arteriosklerose (Arterienverkalkung) verabreicht. Daneben hat Distelöl einen äusserst hohen Vitamin E -Gehalt. Da die Linolsäure jedoch zu den Omega-6 Fettsäuren gehört, sollte es somit seltener für die Tierfütterung verwendet werden.


Erdnussöl

Erdnussöl (Arachis hypogaea L.) besteht aus Erdnüssen und Omega-6 Fettsäuren. Deshalb sollte dieses Öl weniger zur Fütterung verwendet werden, sondern kann bei Hund und Katze vor allem bei trockener Haut äusserlich genutzt werden. Bei der Ernährung von Welpen und Kitten sowie trächtigen und säugenden Tieren sollten Erdnussprodukte grundsätzlich eher gemieden werden, da Erdnüsse als allergieauslösend bekannt sind.


Hanföl

Hanföl wird aus Samen der Hanfpflanze hergestellt. Die Hanfpflanze (Cannabis sativa) ist in Zentralasien beheimatet und wird mittlerweilen vor allem in Europa angebaut.Hanföl hat eine lange Tradition als Mittel bei Dermatitis. Die Inhaltsstoffe stärken das Immunsystem. Zusätzlich zu seinem idealen Verhältnis von Linolsäure und Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure) enthält Hanföl als eines der wenigen Speiseöle die ebenfalls essentielle, dreifach ungesättigte Gamma-Linolensäure. Deshalb sollte es immer wieder mal in der Tierfütterung berücksichtigt werden.


Haselnussöl

Haselnussöl besteht aus Haselnüssen. Die Haselnuss (Corylus avellana) kommt als einzige Nuss ursprünglich aus Europa. Der Ölgehalt der Haselnuss liegt bei 60 - 66%. Haselnussöl kann als pflegendes Öl für die Haut genutzt werden. Es hilft insbesondere bei empfindlicher und trockener Haut. Es wirkt gewebefestigend, gefässverengend und wird besonders gut als Basisöl für Einreibungen bei Atemwegsproblemen empfohlen. Durch den hohen Gehalt an Omega-6 Fettsäuren ist es jedoch für die Tierfütterung nicht unbedingt geeignet.


Kürbiskernöl

Kürbiskernöl wird aus Kürbiskernen gewonnen. Für medizinische Zwecke werden ausschliesslich Sonderzüchtungen von Kürbissen verwendet. Kürbiskernöl wird traditionell gegen Prostatabeschwerden bei männlichen Tieren verwendet.Ebenso wird es gegen die Reizblase bei weiblichen Tieren verabreicht. Für einen Liter reines Öl benötigt es ca. 30 -50 Kürbisse. Da das Öl jedoch Omega-6 haltig ist, eignet es sich somit nur bedingt für die Tierfütterung.


Lachsöl

Lachsöl ist ein Öl, das aus Lachs gewonnen wird und besonders reich an Omega-3 Fettsäuren ist. Bei Haut- und Fellproblemen, geschwächtem Immunsystem, Stoffwechselstörungen und Neigung zu Allergien kann Lachsöl das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Deshalb sollte es grundsätzlich in der Tierfütterung berücksichtigt werden.


Leinöl

Leinsamenöl oder auch Leinöl genannt wird aus den Samen der Flachspflanze gewonnen. Die Leinpflanze (Linum usitatissimum) ist eine der ältesten und vielseitigsten einheimischen Kulturpflanzen. Leinöl fördert die Verdauung und optimiert den Fellglanz. Bekanntlich wird Leinöl aufgrund des idealen Omega-3- und Omega-6- Verhältnisses (bis zu 60% Omega-3 Fettsäuren) zur Verbesserung der Fellbeschaffenheit verwendet, besonders während des Fellwechsels. Es ist aufgrund seiner Zusammensetzung ein sehr wertvolles Öl als Bestandteil der Rohfütterung. Es kann aber auch bei Stuhlverhärtung und generell bei katarrhischen Entzündungen von Magen und Darm helfen. Ausserdem wird es beim Menschen aufgrund seines äusserst hohen Anteils an Linolensäure auch gegen entzündliche Rheumaerkrankungen eingesetzt. Es schützt das Herz-Kreislaufsystem, verringert das Risiko der Verklumpung von Blutplättchen und senkt erhöhte Cholesterin- und Blutdruckwerte.


Mandelöl

Mandelöl besteht aus den Samen der süssen Mandel. Die Mandel (Prunus amygdalus) stammt ursprünglich aus Asien. Mandelkerne weisen einen Fettgehalt von 64% auf. Süsse Mandeln enthalten neben fettem Öl bis zu 30% Eiweiss, 10% Glucose & Saccharose sowie ca. 5% weitere Stoffe.Sie verfügen über wichtige Mineralstoffe, wie z.B. Kalium, Calcium, Phosphor, Kupfer und Zink und über einen hohen Gehalt an B-Vitaminen. Mandelöl selbst ist reich an Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren. Es wird deshalb oft als Einreibemittel bei trockener und schuppiger Haut verwendet. Es kann auch bei hartnäckigen Liegeschwielen Besserung verschaffen. Für die Tierfütterung hat es keine Bedeutung.


Nachtkerzenöl

Nachtkerzenöl wird aus den Samen der Nachtkerzenpflanze hergestellt. Die Nachtkerze (Oenothera biennis) ist im nordamerikanischen Raum beheimatet und wurde erstmals Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa importiert. Sie enthält Gerbstoffe, Schleimstoffe, Gamma-Linolsäure (mehrfach ungesättigte, essentielle Fettsäure) und fette Öle. Weiterhin sind Eiweisse als Bestandteil der Samen zu erwähnen, an deren Aufbau Aminosäuren wie Tryptophan, Gystein und Methionin beteiligt sind. Dazu kommen noch Zellulose und Lignin. Das Hauptanwendungsgebiet des Öls sind Hautprobleme bei Hund und Katze, was auf den hohen Gehalt an Gammalinolensäure zurückgeht. Weiterhin wird es zur Stärkung des Immunsystems, und bei Diabetes verwendet. Zudem verfügt es über entzündungshemmende Eigenschaften, weswegen es neuerdings auch häufig bei arthritischen Beschwerden eingesetzt wird. Auch wenn es mehr Omega-6 als Omega-3 Fettsäuren enthält, hat es wegen seiner Heilkraft auch für die Tiernahrung eine hohen Stellenwert.


Olivenöl

Olivenöl wird aus den Oliven des Ölbaumes (Olea europaea) gewonnen und tragen erst nach ca. 6-8 Jahren eine genug grosse Anzahl an Früchten

Beim Olivenöl ist es besonders wichtig, dass die Früchte ohne Verzögerung zur Presse gelangen, da sich sonst der Anteil der freien Fettsäuren erhöht. Für einen Liter Öl werden zwischen 4 - 6 kg Oliven benötigt. Olivenöl gehört zu den besonders ölsäurehaltigen Fetten. Die Ölsäure hat einen besonders hohen Stellenwert in der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen. Für die Tierfütterung ist es eigentlich kein hochwertiges Öl. Da es aber oft im eigenen Haushalt verfügbar ist, kann es trotzdem ohne Probleme gegeben werden.


Rapsöl

Rapsöl besteht aus Rapssaat. Raps (Brassica napus) wurde erstmals vor ca. 4000 Jahren in Ostasien als Gemüse angebaut. Inzwischen stellt Raps in Mittel- und Osteuropa eine der wichtigsten Ölpflanzen dar.

Rapsöl hat einen besonders hohen Anteil an Ölsäure und an den essentiellen Fettsäuren Linol- und Linolensäure. Diese sollen das Immunsystem stärken, einen positiven Einfluss auf die Blutgerinnung haben und die Blutfettwerte senken. Aufgrund der entzündungshemmenden Eigenschaften kommt es auch bei Gelenkserkrakungen wie z.B. Arthrose zum Einsatz. Es kann hervorragend als Bestandteil der Rohfütterung verwendet werden.


Schwarzkümmelöl

Schwarzkümmelöl wird aus Schwarzkümmelsamen hergestellt. Schwarzkümmel (Nigella) ist mit etwa 20 Arten im Mittelmeerraum beheimatet.

Eine Unterart davon, die Nigella sativa, stammt aus Nordafrika, Südeuropa sowie Vorderasien, wo ihre Samen schon früh als Gewürz und in der Heilkunde verwendet wurden. Schwarzkümmelöl wird vor allem bei Problemen der oberen Atemwege verwendet sowie bei Hauterkrankungen. Es stärkt ausserdem das Immunsystem und wird gern bei weiblichen Tieren in der Säugezeit verabreicht, um die Milchbildung positiv zu beeinflussen.


Sesamöl

Sesamöl besteht aus Sesamsamen (Sesamum indicum). Der hohe Anteil an den Antioxidantien Sesamol und Sesamolin macht das Öl besonders lange haltbar.
Sesamöl kann etwas, das andere Pflanzenöle nicht können: Es kann als einziges Pflanzenöl Giftstoffe, die sich im Fettgewebe ablagern, herauslösen. Daher ist es für Entschlackungs- und Frühjahrskuren besonders gut geeignet. Sesamöl wird traditionell als Einreibemittel gegen besonders empfindliche Haut verwendet. Es soll ebenfalls einen positiven Einfluss auf den Blutcholesterinspiegel und die Blutfettwerte haben. Die enthaltene Linolsäure ist für den Aufbau der Zellwände unabkömmlich. Weiterhin fördert es die Durchblutung und schützt die Haut vor vorzeitiger Alterung. Da es jedoch einen hohen Gehalt an Omega-6 Fettsäuren hat, sollte dieses Öl nicht unbedingt auf dem Speiseplan der Tiere stehen.


Sojaöl

Sojaöl wird aus den Samen der Sojabohnenpflanze gewonnen. Der Sojabohnenkern enthält ca. 18% Fett. Das grösste Anbaugebiet ist Amerika.

Neben dem hohen Anteil an essentiellen Fettsäuren ist der Anteil an Phosphatiden in Sojaöl sehr hoch. Es beträgt bei hochwertigem, kaltgepresstem Öl bis zu 3%. Das bekannteste Phosphatid ist Lecithin. Es soll nach körperlicher Anstrengung schneller 'fit' machen. Ausserdem wird ihm eine verjüngende Wirkung auf die Haut zugeschrieben. Doch für die Fütterung unserer Vierbeiner ist es weniger geeignet.


Sonnenblumenöl

Sonnenblumenöl wird aus Sonnenblumenkernen hergestellt. Die Sonnenblume (Helianthus annuus) stammt ursprünglich aus Amerika.

Sonnenblumenkerne sind streng genommen zu den Nüssen zu zählen, da sie aus Schale und Kern bestehen. Sonnenblumenöl ist besonders reich an Vitamin E (ca. 70 mg / 100 ml) und hat einen hohen Anteil an Linolsäure. Es wird deshalb besonders erfolgreich zur Pflege von Haut und Fell verwendet, aber im Futter von Hund und Katze nicht so oft vorkommen.


Walnussöl

Walnussöl besteht aus Walnusskernen. Der Walnussbaum (Jugleans regia) kommt ursprünglich aus dem Orient. Heute werden die Bäume vor allem in Mittel- und Südeuropa und in Nord- und Südamerika angebaut.

Wie auch Lein- oder Hanföl wird Walnussöl verwendet, um die Fliesseigenschaften des Blutes zu verbessern, den Blutdruck zu senken und arteriellen Entzündungen entgegenzuwirken. Es enthält neben den wertvollen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, deren Vorhandensein die Begründung für diese Verwendung sind, auch nennenswerte Mengen der Vitamine B1, B2 und B6, die wichtige Hirnfunktionen unterstützen. Ebenso wird es gern zur Stärkung des Immunsystems und zur begleitenden Behandlung arthritischer Beschwerden verwendet, was auch auf seinen besonders hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und an Vitamin E zurückgeht. Aufgrund des optimalen Verhältnisses zwischen Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren ist es für die Rohfütterung bestens geeignet.